21.
Aug 2018

Teilhabe verbessern und Mitarbeiter besser stellen

Bewohner und Mitarbeiter der Lebenshilfe Lemgo standen jetzt im Mittelpunkt des Besuches der lippischen Bundestagsabgeordneten Kerstin Vieregge und Uwe Schummer, dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Arbeitnehmergruppe im Bundestag und NRW-Präsident der Lebenshilfe. In der Werkstatt Laubke erhielten die beiden Abgeordneten Einblicke in die Arbeit und vielfältigen Angebote und Aufgabenbereiche. „Hier wird mit Engagement und hoher Motivation in den verschiedensten Bereichen gearbeitet“, stellten sie nach ihrem Rundgang mit dem technischen Leiter der Werkstatt, Thomas Plöger, fest. Insgesamt arbeiten 600 Menschen an den Standorten in Lemgo, in der ganzen Stadt beschäftigt die Lebenshilfe knapp 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Olaf Heilig, Vorstandsvorsitzender der Lemgoer Lebenshilfe, nutzte die Gelegenheit im gemeinsamen Gespräch mit seiner Vorgängerin, Irene Priebe-Wiethaup, um auch aktuelle Probleme anzusprechen. Es gebe noch viele bürokratische Hürden, die beispielsweise die Arbeitnehmerüberlassung erschwerten, obwohl dieses Instrument in der Behindertenhilfe gut genutzt werden könne. Auch die Tagesbetreuung müsse flexibler werden dürfen. Vieregge und Schummer sagten zu, auch weiterhin vernünftige Wege zu finden: „Wichtig ist das Handeln vor Ort: Mit der schrittweisen Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes schauen wir künftig noch individueller auf den einzelnen Menschen, seine Stärken und Kompetenzen“, so Uwe Schummer. „Die unabhängigen Teilhabeberatung stärkt behinderte Menschen: Wer kennt schon alle Angebote und Möglichkeiten? Darüber muss jetzt besser aufgeklärt werden“, ergänzt Vieregge.

Neben der handwerklichen Beschäftigung in den Werkstätten stand beim Besuch der beiden Bundestagsabgeordneten auch die Frühförderung der Lebenshilfe im Mittelpunkt. Seit den 1970ern engagieren sich die Lemgoer in diesem Bereich, derzeit betreuen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 314 Kinder. Im Austausch mit den Beschäftigten wurde aber deutlich, dass es auch in diesem Bereich noch Handlungsbedarfe gibt: „Im Rahmen der Schulbegleitung lassen die Kostenträger derzeit keine längeren Bewilligungszeiträume zu, so dass wir auf der anderen Seite ein Problem mit Kettenverträgen bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bekommen. Zudem sollte sich ein Kind während der Schulzeit nicht in jedem Schuljahr an ein neues Gesicht gewöhnen müssen“, so Olaf Heilig. „Natürlich macht es Sinn, eine Schulbegleitung an die Dauer der Schulzeit zu koppeln, sofern ein längerfristiger Bedarf schon von Beginn absehbar ist“, sind sich Vieregge und Schummer einig und versprachen, sich dafür bei den Kostenträgern einzusetzen.

Ein weiterer Kritikpunkt war die Anerkennung der Beratungsgespräche – diese Gespräche mit den Eltern werden bislang durch die Kostenträger nicht abgedeckt. „Eigentlich ein Unding – gerade die Eltern brauchen in dieser Phase Information, Beratung, aber auch Zuspruch. Da kann es nicht sein, dass dies im Grunde von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ehrenamtlich und unentgeltlich geleistet werden muss“, so Vieregge.