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23.
Jan 2019

Rede zur Gedenkveranstaltung – Nikolaus Groß

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ GG. Art. 1.

Unser Grundgesetz, das Ergebnis schrecklicher Diktaturen und furchtbarer Kriege. Schon in der Präambel berufen wir uns auf unsere Verantwortung vor Gott und den Menschen.“ und erklären den Willen „dem Frieden der Welt zu dienen.“ Das christliche Menschenbild steht für die Idee der Menschenwürde. Nicht erst im Jenseits, sondern im Diesseits den Atem Gottes in jedem Menschen zu erspüren. Diese Haltung, die wie der Sozialstaat stark von der Katholischen Arbeiterschaft politisch aufgenommen wurde, führte zwangsläufig zum aktiven Widerstand gegen die Blut und Boden Ideologie des NaziRegimes.

Mit Publikationen, Reden und Plakaten wurde dieser Widerstand frühzeitig, vor der Machtergreifung Hitlers in der Weimarer Zeit geleistet. Nachdem Konservative und Deutschnationale Hitler nach den Regeln der Demokratie zur Macht verhalfen, begannen die Mechanismen der Diktatur schnell zu wirken. Im Kölner Widerstandskreis der KAB wurden aus der Erfahrung des Scheiterns der Weimarer Republik Konzepte für einen neuen demokratischen Anfang entwickelt. Er vernetzte sich mit dem konservativen Widerstand, dem Kreisauer Kreis, dem sozialdemokratischen und dem militärischen Widerstand in Deutschland. So hatte Prälat Otto Müller den Auftrag, den Vatikan für einen Friedensvertrag nach einem gelungenen Attentat auf Hitler, einzubinden.

Die demokratische Einheitsgewerkschaft und die ökumenisch inspirierte Union wurden aus dem Widerstand heraus entwickelt. Sie wurden tragende Säulen der erfolgreichen Bonner Republik. Der Interessenkampf, nicht uniformiert und mit Knüppeln, sondern kultiviert und geordnet. Die demokratischen Kräfte sollen immer wieder zusammenfinden.

Gemeinsam mit dem früheren Reichsminister Andreas Hermes, Bernhard Letterhaus, Prälat Otto Müller, Heinrich Körner, den Dominikanern Eberhard Welty und Andreas Siemer traf sich die Runde in der Wohnung von Nikolaus Groß bis zu dessen Verhaftung nach dem Attentat auf Hitler und dem letzten brutalen Aufbäumen des Terrorregimes gegen den eigenen Untergang. Nach dem 20. Juni 1944 wurde Andreas Hermes zum Tode verurteilt, Heinrich Körner erschossen, Bernhard Letterhaus getötet und Nikolaus Groß in Plötzensee enthauptet. Sie sind Blutzeugen unserer Demokratie, der Verfassung. Konrad Adenauer vor den Trümmern der Kölner Universität, März 1946: Wenn die Barbarei in unserer Geschichte irgendeinen Sinn gehabt haben soll, dann den, das deutsche Volk für immer vor den Verführungen des Totalitären zu immunisieren.

Für Viele um uns herum ist Demokratie von normal bis langweilig. Nach 70 Jahren und drei Generationen sieht sie sich erneut Anfechtungen ausgesetzt. Eine neue Rechtspartei im Bundestag will das Völkisch-Nationalistische wieder „positiv besetzen“. Der 23. Januar erinnert uns, dass der beste Schutz gegen neuaufkeimenden Extremismus engagierte Demokraten sind. Wir dürfen die Straßen und Säle, die Medien, klassisch oder im Netz, nicht den totalitären einfachen Botschaften überlassen.

Auch heute stehen wir in der Auseinandersetzung um unsere Demokratie. Sie ist nicht die Normalität, weder weltweit noch in der deutschen Geschichte. Für uns alle gilt: Werden wir geschichtslos, werden wir gesichtslos. Es sind immer Persönlichkeiten, die im Totalitären Zeichen der Hoffnung setzen.
Joseph Joos über den gelernten Bergmann und engagierten Menschenfischer Nikolaus Groß: „Ein Gärtner im Pflanzengarten der Erziehung der christlichen Arbeiter. Ein tiefgläubiger, frommer Mensch, ein Heiliger des Alltags.“ KAB ist religiös, sie ist auch immer politisch.Unser Verband verbindet Menschen, lebendig nicht erstarrt; in permanenter Bewegung zueinander und miteinander. Wir haben Grundsätze, ihr Fundament ist der feste Glaube an die Menschenwürde aller Menschen; egal woher sie kommen, egal, wohin sie gehen. Sie gehen in Gott.„Handle so, dass du wollen kannst, deine Maxime solle ein allgemeines Gesetz werden,“ schreibt Immanuel Kant.
Die Lehre von Weimar: Diktatur kommt schleichend. Weimar zerstörten nicht die Radikalen von Links- und Rechtsaußen sondern laue Demokraten, die geschehen ließen, was am Ende zu millionenfachem Tod führte. Die Menschenverachtung, wir sehen sie wieder auf den Straßen, den Sälen, den Medien. Wenn Alexander Gauland beim Kyffhäusertreffen der AfD hetzt: „Wir sollen als Volk und als Nation absterben. Die Bundesregierung will, dass wir für die Einwanderer arbeiten, damit die in Ruhe Kinder in die Welt setzen und den Bevölkerungsaustausch vollenden können.“ Im Parlament eine Anfrage der AfD zu Migration, Inzucht und Behinderung in unserem Land.
Das Völkisch-Nationalistische ist kein Flügel der AfD, es ist ihr Kern.Sie ersetzen Gott durch einen Biologismus gegen den Rest der Menschheit. Gegner sind erst Volksfeinde, dann Volksschädlinge, die mit Tieren gleichgesetzt und vernichtet werden dürfen. Gestern protestierten Gelbwesten in Aachen gegen Macron und Merkel. Sie schrien gegen Europa. Ihr Schlachtruf: „Zur Guillotine mit ihnen.“ –  Unser Kreuz hat keine Haken und kennt keine Guillotine. Seien wir wachsam.

Wir schulden es Nikolaus Groß
, Bernhard Letterhaus und den vielen Blutzeugen, die im Widerstand gegen den völkischen Ungeist diese Demokratie und unser geeintes Europa mit begründet haben.
Achten wir darauf, dass bei der Europawahl im Mai Demokraten gewinnen; Populisten des Hasses dieses Friedenswerk nicht von innen heraus zerstören können. „Bestimmt werden wir am kommenden Gerichtstage nicht gefragt werden, was wir gelesen, sondern was wir getan haben, und nicht, wie schön wir geredet, sondern wie gut wir gelebt haben,“ Thomas von Kempen. Gott segne die christliche Arbeit.