08.
Aug 2019

Mehr Mitarbeiterbeteiligung wagen

Foto: Robert Schlesinger

Es sind rund 2,5 Millionen Arbeitnehmer an ihren Unternehmen beteiligt. Sie profitieren vom Gewinn; haben Mitspracherechte. Dabei bedeuten Aktien nicht nur Vermögensaufbau; sie sind ebenso eine weitere Stütze zur Altersvorsorge – eine zweite Einkommenssäule. Zugleich wird dadurch die drohende „Unternehmerlücke“, die aufgrund der Demographie entsteht, etwas geschlossen. „In Deutschland wollen in den nächsten vier Jahren 840.000 Firmenchefs in Rente gehen; für viele ist noch kein Nachfolger in Sicht“, erklärt der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Uwe Schummer. Eine mögliche Lösung sieht der Parlamentarier bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau. So könnte sie bei Unternehmensübergängen einen Fonds auflegen, aus dem heraus die Belegschaft ihren Chef für die Rente ausbezahlt und das Unternehmen selbst übernimmt.

Und es gibt Beispiele, wo Mitarbeiterbeteiligung funktioniert. Fast 90 Prozent aller Mitarbeiter von SAP besitzen betriebseigene Aktien. Auch andere große deutsche Namen wie Lufthansa, BMW, VW und Daimler gehen diesen Weg. Und trotzdem verfügen nur etwa drei Prozent der Privathaushalte über 80 Prozent des Wirtschaftskapitals. „Kapitalkonzentration tötet Wettbewerb. Nicht nur für die Industrie, auch kleine mittelständische Unternehmen profitieren von mitbeteiligten Arbeitnehmern“, betont der Arbeitsexperte.

Häufig fehlen die Anreize zur Beteiligung. Im Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung den Auftrag gegeben, neue Möglichkeiten der Mitarbeiterbeteiligung zu prüfen. Der Arbeitnehmerchef sieht eine Möglichkeit bei den steuerlichen Freibeträgen: „Sie sollten von 360 Euro pro Jahr auf 2.000 Euro angehoben werden, um betriebliche und tarifliche Vereinbarungen für eine investive Lohnpolitik attraktiver zu gestalten“. Einige Nachbarländer zeigen, dass es geht: In Österreich liegt der jährliche Steuerfreibetrag bei 4.500 Euro, in Frankreich sind es 6.000 Euro.

Mit der Sozialen Marktwirtschaft habe Deutschland einen eigenständigen Weg jenseits der Extreme von Marxismus und Kapitalismus eingeschlagen, unterstreicht Schummer. Bereits 1949 wurde dieser Grundsatz von der Union – knapp einen Monat vor der ersten Bundestagswahl – in den Düsseldorfer Leitsätzen festgehalten. „Das ist jetzt 70 Jahre her und aktueller denn je“, findet der Parlamentarier.