28.
Jul 2015

Förderung von Integrationsfirmen

In ihrem Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung „die Eingliederung junger Menschen mit Behinderung in eine Berufsausbildung“ als „besonderes Anliegen“ im Bildungsteil definiert. Leitidee der Politik ist die Inklusion in der Gesellschaft. „Menschen mit und ohne Behinderung sollen zusammen spielen, lernen, leben, arbeiten und wohnen.“

In Deutschland sind 25 Prozent der Bevölkerung von gesundheitlicher Einschränkung oder chronischer Erkrankung betroffen. Mehr als 7,5 Millionen gelten als anerkannt schwerbehindert. 1,3 Millionen arbeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt, 300. 000 wesentlich behinderte Menschen sind in einer Werkstatt beschäftigt.

Mit dem Antrag zur Förderung von Integrationsunternehmen leisten wir aus dem Parlament heraus einen Beitrag, um der Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt näher zu kommen. Bundesweit existieren 800 Integrationsunternehmen mit  25.000 Arbeitnehmer, 11.000 sind schwerbehindert. Im Schnitt beschäftigt eine Integrationsfirma 23 Arbeitnehmer. Es sind Kleinunternehmen in der Dienstleistung, aber auch in der Produktion oder im Gartenbau. Die Beschäftigungsquote von schwerbehinderten Mitarbeitern liegt zwischen 25 und 40 Prozent; Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt. Es muss der Mindestlohn gezahlt werden. Integrationsfirmen sind Lotsenboote, die innovative Konzepte zur Förderung behinderter Menschen in der Arbeitswelt umsetzen. Sie sind wichtige Perspektiven für die Träger der Werkstätten. Viele werden aus Werkstätten heraus gegründet. Gleichzeitig zeigen sie anderen Unternehmen, dass es auch mit einer hohen Zahl anerkannt schwerbehinderter Arbeitnehmer möglich ist, marktfähige Konzepte umzusetzen. Nach Aussage der BAG Integrationsfirmen, ist die Zahl der Insolvenzen bei Integrationsfirmen niedriger als in der übrigen Wirtschaft.

Mit einem Sonderprogramm von 150 Millionen Euro in drei Jahren aus den überregionalen Mitteln des Bundes bei der Ausgleichsabgabe wollen wir die Zahl der Integrationsfirmen in den nächsten Jahren verdoppeln. Sie sollen zu Inklusionsunternehmen weiterentwickelt werden. Unternehmen mit interessanten Gesundheits- und Ausbildungskonzepten. Jedes Unternehmen kann beispielsweise mit einer Integrationsabteilung diesem Beispiel folgen. Derzeit werden die Integrationsbetriebe bundesweit mit 68 Millionen Euro aus den Mitteln der Ausgleichabgabe gefördert. Dies sind 15, 2 Prozent der Gesamtausgaben.

Wir sehen mit großer Sorge, dass 60 Prozent der Zugänge in die Werkstätten psychisch erkrankte Arbeitnehmer vom ersten Arbeitsmarkt sind. Integrationsunternehmen können Therapie und Reintegration auf dem ersten Arbeitsmarkt besonders fördern. Hierzu sollen eigene Arbeitszeitkonzepte entwickelt und umgesetzt werden.

Wir wollen auch die Kette unterbrechen, dass Jugendliche nach der Förderschule oft arbeitslos werden oder in die Werkstatt gehen. Dabei ist es sinnvoll, auch langzeitarbeitslose ältere Arbeitnehmer, beispielsweise für die Ausbildung von jungen Menschen mit Handicap zu qualifizieren und in Integrationsfirmen zu beschäftigen. Wichtig ist jedoch, dass es in der Finanzierung von SGB II und Eingliederungshilfe keine Vermischung geben darf. Langzeitarbeitslose werden über SGB II finanziert, wesentlich behinderte Menschen über die Eingliederungshilfe.

Eine weitere Unterstützung von Integrationsfirmen ist, dass sie als Auftragnehmer wie Werkstätten anerkannt werden. Dies bedeutet, dass Aufträge an Integrationsfirmen mit der Ausgleichsabgabe verrechnet werden können. Des Weiteren sollen auch von den Kammern anerkannte Teilqualifikationen aus den Berufsbildern vermittelt werden.