02.
Jan 2017

Dunkles Kapitel der Nachkriegsgeschichte wird aufgearbeitet

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Mit Beginn des neuen Jahres hat die „Stiftung Anerkennung und Hilfe“ ihre Arbeit aufgenommen. „Es hat lange gedauert, doch jetzt werden endlich die Menschen entschädigt, die in den Jahren 1949 bis 1975 in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrien misshandelt worden sind. Damit wird endlich ein dunkles Kapitel der Nachkriegsgeschichte aufgearbeitet“, erklärt Uwe Schummer, Landesvorsitzender der Lebenshilfe NRW.

„Wir haben uns in den vergangenen Jahren sehr intensiv dafür eingesetzt, dass diesen Opfern, die eigentlich einen besonderen Schutz benötigt hätten, für ihr erfahrenes Leid entschädigt werden. Das Geld, das sie nun bekommen werden, kann ihre schrecklichen Erfahrungen nicht rückgängig machen. Doch es ist neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser Ereignisse ein Zeichen an die Opfer, für das sie viel zu lange kämpfen mussten“, so Schummer weiter. „Wir begrüßen, dass in Nordrhein-Westfalen die regionalen Beratungsstellen bereits zum 1. Januar ihre Arbeit aufgenommen haben, was bedauerlicherweise noch nicht in allen Bundesländern der Fall ist“, sagte Schummer.

Mit der Stiftung Anerkennung und Hilfe erfahren die Misshandlungsopfer eine öffentliche Anerkennung der damaligen Ereignisse. Sie soll mittels persönlicher Gespräche mit den Betroffenen wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Außerdem bekommen die Betroffenen, die teilweise noch heute unter den Folgen leiden, eine einmalige pauschale Zahlung von 9.000 Euro zur selbstbestimmten Verwendung. Wer darüber hinaus während seiner Unterbringung, ohne dass dafür (ausreichende) Sozialversicherungsbeiträge entrichtet wurden, arbeiten musste, erhält zusätzlich für eine Arbeitsdauer von bis zu zwei Jahre eine pauschale Rentenersatzleistung von 3.000 Euro. Wer länger als zwei Jahre arbeiten musste bekommt 5.000 Euro. Unter www.stiftung-anerkennung-hilfe.de ist der Onlineauftritt der Stiftung bereits zu erreichen. Antworten auf allgemeine Fragen zur Stiftung erhalten Betroffene beim Info-Telefon im Auftrag der Stiftung Anerkennung und Hilfe unter 0800 221 221 8.